
Undichte Armatur oder schwergängiger Griff?
Schwergängiger Griff oder undichte Armatur?
Technische Ursachen, typische Installationsfehler und wie Reklamationen vermieden werden
Schwergängige Armaturengriffe und undichte Kartuschen gehören zu den häufigsten Reklamationsgründen im Sanitärbereich. In der Praxis werden diese Probleme jedoch noch immer sehr häufig als Produkt- oder Qualitätsmängel eingeordnet. Aus technischer Sicht ist diese Annahme in den meisten Fällen nicht korrekt.
Mein Name ist Jakob Kohler, ich bin Qualitätsbeauftragter bei der VIZIO GmbH und habe über viele Jahre selbst als Installateur gearbeitet. Heute begleite ich Reklamationsanalysen aus technischer Sicht. Die Erfahrung aus unzähligen Fällen zeigt sehr deutlich: Der Ursprung dieser Probleme liegt fast immer in der Installation, der Inbetriebnahme oder in der Wasserqualität – nur äußerst selten im Produkt selbst.
Keramische Kartuschen – wie sie wirklich funktionieren
Keramische Mischkartuschen sind hochpräzise Bauteile. Sie bestehen aus passgenauen Kunststoffkomponenten sowie aus gesinterten Keramikscheiben mit exakt definierten Oberflächen. Diese Bauteile werden mit sehr engen Toleranzen gefertigt, Abweichungen sind praktisch ausgeschlossen.
Technisch kennt eine Kartusche daher nur zwei Zustände: Entweder sie funktioniert einwandfrei und ist dicht – oder sie ist beschädigt und wird undicht. Einen konstruktiven Zustand wie „schwergängig durch Fertigungsfehler“ gibt es nicht.
Wenn sich ein Armaturengriff schwer bewegen lässt, ist das deshalb kein Qualitätsmerkmal, sondern fast immer ein frühes Warnsignal. Die Kartusche beginnt bereits Schaden zu nehmen, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt oft noch dicht ist.
Die eigentliche Hauptursache: Partikel im Trinkwasser
In der Praxis entstehen die meisten Schäden durch abrasive Partikel im Trinkwasser. Dazu zählen Sand, Rostabrieb, Kalkfragmente oder Rückstände aus Bau- und Reparaturarbeiten. Diese Partikel gelangen nicht durch die Armatur ins System, sondern durch Arbeiten am Leitungsnetz.
Rohrbrüche, Netzumschaltungen, Reparaturen oder neue Hausanschlüsse sorgen regelmäßig dafür, dass sich Ablagerungen in den Leitungen lösen und weitertransportiert werden. Nach den geltenden technischen Regeln (DIN EN 806-4 sowie DIN 1988-200) müssen Trinkwasserleitungen vor der Inbetriebnahme gründlich gespült werden. Genau dieser Schritt wird im Alltag jedoch häufig verkürzt oder ganz ausgelassen.
Warum die Erstinbetriebnahme so entscheidend ist
Der kritischste Moment für eine Kartusche ist häufig der erste Wasserdurchfluss nach der Montage. Beim Absperren und erneuten Öffnen der Wasserleitung werden Ablagerungen gelöst. Werden diese nicht kontrolliert ausgespült, gelangen sie direkt in die Armatur.
Aus technischer Sicht ist es daher zwingend erforderlich, Strahlregler, Brausen und gegebenenfalls Filtereinsätze vor der Inbetriebnahme zu entfernen und die Armatur vollständig zu öffnen – idealerweise in Mittelstellung. Bleibt der Hebel geschlossen, wird Luft im System komprimiert. Beim späteren Öffnen entstehen Druckstöße, die kurzfristig Werte von bis zu 25 bar erreichen können. Diese belasten Dichtungen und Keramikscheiben erheblich.
Gleichzeitig werden genau in diesem Moment gelöste Partikel ungehindert in die Kartusche gespült.
Vom schwergängigen Griff zur undichten Kartusche
In der Praxis zeigt sich immer wieder derselbe Verlauf: Zunächst wird der Griff schwergängig. Ursache ist oft nur ein einzelnes Sandkorn oder ein kleines Partikel, das zwischen die Keramikscheiben gelangt ist. Mit der Zeit entstehen dadurch feine Kratzer oder Mikroschäden.
Technisch ist die Kartusche zu diesem Zeitpunkt bereits kompromittiert. Früher oder später wird sie undicht – entweder am Griff oder am Auslauf. Der schwergängige Griff und die tropfende Armatur sind somit keine zwei verschiedenen Probleme, sondern zwei zeitlich versetzte Symptome derselben Ursache.
Filtertechnik – wenig beachtet, aber entscheidend
Ein funktionierender Sedimentfilter am Hauswassereingang sowie gefilterte Eckventile sind kein Komfortmerkmal, sondern ein zentraler Schutz für die Armatur. Zusätzlich können nachrüstbare Feinfilter direkt vor der Armatur installiert werden. Diese reduzieren den Partikeleintrag deutlich und verlängern die Lebensdauer der Kartusche erheblich.
Wir führen in unserem Programm einfach zu installierende Nachrüst-Filterelemente. Die Nachfrage danach ist jedoch bislang sehr gering. Dies lässt darauf schließen, dass diesem technisch relevanten Thema in der Praxis häufig nur wenig oder gar keine Beachtung geschenkt wird.
-> hier der direkte Link zum Nachrüst-Filterelement welches gemeint ist:
https://viziotechnik.com/it-it/products/3-8-filter-retrofit-kit-for-angle-valves-with-3-8-connection-2-piece-set
Umgang mit Reklamationen aus technischer Sicht
Ist eine Kartusche erst einmal beschädigt, ist der Austausch in der Regel die sinnvollste Lösung. Eine Reinigung kann kurzfristig helfen, behebt jedoch keine Schäden an den Keramikscheiben. Auch das früher verbreitete „leichte Lösen“ der Kartusche kann funktionieren, erfordert jedoch Erfahrung und birgt das Risiko neuer Undichtigkeiten.
Wichtig ist vor allem eines: Eine beschädigte Kartusche ist kein Beweis für mangelhafte Produktqualität, sondern fast immer ein Hinweis auf Installations- oder Inbetriebnahmefehler.
Fazit aus der Praxis
Die große Mehrheit der Reklamationen im Bereich schwergängiger Griffe und undichter Armaturen ist installationsbedingt. Hochwertige Armaturen wie VIZIO werden werkseitig zu 100 Prozent auf Dichtheit und Funktion geprüft. Eine fehlerhafte Kartusche verlässt kein Werk.
Wer konsequent spült, Filtertechnik ernst nimmt und die Erstinbetriebnahme fachgerecht durchführt, vermeidet Reklamationen, unnötigen Aufwand und Diskussionen und sorgt langfristig für zufriedene Kunden und funktionierende Armaturen.